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„Haben Sie noch einen speziellen Tipp für mich?“ – das ist eine Frage, die mir in meinem Alltag als Job-Coach häufiger von Job-Suchenden gestellt wird.

Und die Fragestellung ist absolut richtig – es kann (fast immer) nur um spezielle Antworten gehen. Ich habe unter den Job-Suchenden, die ich berate, höchst unterschiedliche Personen und Persönlichkeiten:

– Migranten

– Introvertierte

– Mini-Selbständige

– Akademiker (ja, teilweise sind es auch Singles mit Niveau… 😉

– ungelernte Kräfte ohne Führerschein

– langjährige Soldaten

 

Jede dieser Personen hat seine/ihre ganz spezielle Fragestellungen.

Ein frischer Bachelor (gerne auch ohne Rose 😉 steht vor ganz anderen Wegmarken als ein Migrant oder ein ehemaliger Soldat, der nun im zivilen Sektor beruflich Fuß fassen will. Daher muss (sich) jeder gute Coach auch unmissverständlich bewusst machen, dass es um ein individuelles Coaching geht – ein „Schema F“ wird nie den Job-Suchenden gerecht, sondern zielt auf eine Arbeitserleichterung für den Coach ab.

Zielführend ist nur eine individuelle Betrachtung und ein auf die entsprechende Person abgestimmtes Job-Coaching.

Bei aller Spezifizierung gibt es aber auch Dinge, die für ausnahmslos alle Job-Suchenden zutreffen. Fünf Schritte und Methoden, die sich in der Praxis über alle Berufe hinweg als hilfreich erwiesen haben – und an einer Hand abzuzählen sind:

  • Realisieren

„Echt jetzt?“ mag manch einer gerade denken. Ein klares „Ja“ meinerseits. Viele Job-Suchende fühlen sich in ihrer Arbeitslosigkeit „wie in einem schlechten Traum“. Es ist aber das Hier und Jetzt, in dem Sie sich befinden. Erkennen Sie, wo Sie gerade stehen. Realisieren Sie, dass es „um die Wurst geht“. Hadern Sie nicht damit, in diese prekäre Lage gekommen zu sein – fokussieren Sie sich auf das Finden einer tragfähigen Lösung!

  • Informieren

Der neue Job wird zu 99,98374% nicht in Form eines freundlich dreinlächelnden Arbeitgebers mit einem hochdotierten Arbeitsvertrag unterm Arm vor Ihrer Haustür stehen. „Ohne Information kein Job“ – auf diese harte Formel lässt sich die Job-Suche ziemlich gut zusammendampfen.

Nutzen Sie also alle Ihnen zur Verfügung stehenden Informationsmöglichkeiten:

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Zeitung (Bitte lesen Sie nicht nur den Stellenmarkt, sondern auch Wirtschaftsteil, Werbung und – auch wenn es für manch einen völlig pietätlos erscheinen mag – die Todesanzeigen; in der Wirtschaft sind Aufgaben zu erfüllen, die auch mit dem Tod eines geliebten Menschen nicht aufhören.)

Online-Stellenbörsen (Zur absoluten Minimalausstattung eines jeden Job-Suchenden sollten die Jobbörse der Agentur für Arbeit, meineStadt.de und kimeta gehören; daneben gibt es eine Vielzahl an berufsrelevanten Stellenbörsen – eine gute Übersicht findet sich beim Crosswater Jobguide. Richten Sie sich bitte Suchagenten ein, die Sie per eMail sofort über neue Stellenangebote informieren – so können Sie zum einen schneller auf neue Offerten reagieren und sparen sich die Frustration, häufig ohne Erfolgserlebnis die gleichen Seiten anzusurfen.)

Agentur für Arbeit/JobCenter (Stellen Sie rechtzeitig Ihre Anträge auf Arbeitslosengeld; nutzen Sie die Kompetenz der Integrationsfachkräfte und fragen Sie gezielt nach Förderangeboten. Besuchen Sie das Berufsinformationszentrum und recherchieren Sie, welche Fort- und Weiterbildungen Sie beruflich weiterbringen. Als Kunde der Agentur für Arbeit bzw. einer ARGE haben Sie Zugriff auf die LERNBÖRSEexklusiv, in der Ihnen Dutzende von kostenlosen zertifizierten Kursen (EDV, Sprachen, BWL und vieles mehr) zur Verfügung stehen.

Leider bleiben viele Job-Suchende bei einer rein konsumierenden Grundhaltung stehen.

Saugen Sie aber nicht nur Informationen auf, sondern geben Sie auch Informationen selber raus; die wichtigste lautet „Ich suche einen neuen Job!“. Informieren Sie Ihr privates Umfeld – Freunde, Familie, Nachbarn, Vereinskollegen. Bitte merken Sie sich eine wichtige Grundhaltung und schreiben Sie sich diese tief ins Herz hinein: Ich muss mich nicht dafür schämen, dass ich einen Job suche – ich müsste mich nur schämen, wenn ich es nicht täte!

  • Engagieren

Treten Sie heraus aus Ihrem stillen Kämmerlein!

– Netzwerken Sie, frischen Sie alte Kontakte auf und knüpfen Sie neue Beziehungen – der geschätzte Kollege Lars Hahn hat dafür den spannenden wie sympathischen Begriff „Systematisch Kaffeetrinken“ geprägt und gibt in seinem gleichnamigen Blog unzählige Tipps, wie das erfolgreich gelingen kann.

– Besuchen Sie Messen, Gewerbeschauen und Tage der Offenen Tür! Bekommen Sie (neu) ein Gespür dafür, wie Ihre Branche tickt. Kommen Sie ins direkte Gespräch mit Personalentscheidern und Multiplikatoren.

– Arbeiten Sie an Ihrer digitalen Präsenz! Erstellen bzw. überarbeiten Sie Ihr XING-Profil; eine gute Anleitung dazu gibt es im LVQ-Blog. Melden Sie sich bei LinkedIn an. Bloggen Sie, diskutieren Sie in Fachforen zu Ihrem Wissensgebiet und sorgen Sie dafür, dass der erste Eintrag bei Google zu Ihrem Namen nicht zum Uralt-Eintrag Ihrer Realschule führt. 2011 hat bereits gut die Hälfte aller Personaler Infos über die Bewerber gegooglet. Vier Jahre später dürfte die Zahl kaum kleiner geworden sein…

 

  • Entscheiden

Sammeln Sie Informationen nicht nur, sonst kann tatsächlich die Gefahr bestehen, dass Sie sich einem Netz aus Infos verheddern. Nein, aus Informationen müssen Sie Rückschlüsse ziehen, Schritte ableiten und Entscheidungen fällen! Werten Sie die gesammelten Informationen aus. Reicht Ihr Fachwissen noch aus? Müssen Sie einen Umzug in Erwägung ziehen? Mit welchen Berufskenntnissen können Sie andere Bewerber ausstechen? Welche Firmen sind für Sie ein potentiell attraktiver Arbeitgeber? Aus all diesen Fragen leiten Sie den für Sie gangbaren und richtigen Weg ab. Und dann heißt es…

  • Umsetzen

Erfolg hat drei Buchstaben: TUN – Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Belassen Sie es nicht bei Gedankenspielen oder „Was-wäre-wenn“-Szenarien. Machen Sie es verbindlich! Formulieren Sie klar für sich, was Sie wann wie konkret tun. Holen Sie Ihr privates Umfeld an Ihre Seite und informieren Sie Freunde und Familie über Ihre Entscheidungen – das schafft Verbindlichkeit, und Ihr Umfeld wird Sie immer wieder nach dem Ist-Stand fragen.

 

Diese Basics lassen sich an einer Hand abzählen – jetzt haben Sie es in der Hand, daraus etwas zu machen. Viel Erfolg!