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Wenn es in der Schule etwas gab, wo meine Leistungen noch schlechter waren als bei den Bundesjugendspielen, dann war es das Fach Mathematik. Ich bin der Referendarin, bei der ich damals in der 12. Klasse Unterricht hatte, noch heute dankbar, dass ich genügend Punkte hatte, um Mathe abzuwählen – sonst wäre es wohl Essig gewesen mit meinem Abitur…

Aber heute soll es nicht um Kurvendiskussionen oder Algebra gehen – sondern um Zahlen und Prozentwerte, die für die Job-Suche wichtig sind.

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Aus vielen Gesprächen mit Personalern und der Praxis als Job-Coach weiß ich, dass es bei der Form der Bewerbung eklatante Unterschiede gibt.

Jeder von uns hat etwas, das ich einen „Komfortkanal“ nenne – eine Form, sich bei Firmen und Unternehmen zu bewerben.

Egal ob Initiativbewerbung oder Reaktion auf ein veröffentlichtes Stellenangebot: Von 100 Bewerbern senden ca. 95 ihre Unterlagen direkt schriftlich zu, sei es per Mail, per Formular oder im Briefumschlag.

Ca. 4 von 100 Bewerbern nehmen vorab telefonisch Kontakt mit dem Unternehmen auf, um etwaige Fragen zu klären oder den Namen des zuständigen Personalers zu recherchieren.

Und der letzte verbliebene Bewerber sucht den direkten persönlichen Kontakt vor Ort.

Versetzen Sie sich doch bitte einmal in die Rolle des Personalers, vor dem 100 Bewerbungsmappen liegen.

Da Sie am Abend gerne wieder mit Ihrer Familie am Esstisch zusammen sitzen wollen bleiben Ihnen max. acht Stunden zur Durchsicht. Was denken Sie, passiert nach einer gewissen Zeit? Es fällt Ihnen zunehmend schwerer, sich an bereits durchgesehene Unterlagen zu erinnern. Die schiere Menge der Bewerbungen sorgt für eine Art „Grundrauschen“, in der schwer fällt, Bewerber auseinander zu halten.

Stellen Sie sich jetzt vor, unter den 100 Bewerbungen befinden sich auch die Unterlagen des 1 Bewerbers, der sich persönlich bei Ihnen vorgestellt hat sowie die Unterlagen der 4 Bewerber, die Sie um Zusendung ihrer schriftlichen Bewerbung gebeten haben. An welche Bewerber, denken Sie, können Sie sich am besten erinnern?

Erraten – an die Bewerber, zu denen Sie eine Verbindung haben, deren Namen Sie schon einmal gehört haben, mit denen Sie bereits telefoniert oder persönlich gesprochen haben!

Denken Sie jetzt in diesem Moment einmal an Ihren besten Freund oder Ihre beste Freundin. Stellen Sie sich jetzt vor, Ihr bester Freund und ich bitten Sie beide um 50 Euro. Wem würden Sie die 50 Euro aller Wahrscheinlichkeit nach geben? Richtig, Ihren besten Freund – weil Sie die engere Verbindung nicht zu mir, sondern zu Ihrem besten Freund haben.

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Und wem kann der Personaler emotionsloser absagen? Dem Bewerber, der einer unter vielen weiteren ist, der in der anonymen Masse des „Grundrauschens“ untergeht.

 

Überlegen Sie also bitte, ob es für Sie an der Zeit ist, Ihren Komfortkanal zu verlassen!

 

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80/20

Ich habe über die Jahre in meiner Tätigkeit als Job-Coach bei meinem Arbeitgeber eine interessante Beobachtung gemacht, die mit dem ersten Punkt in Verbindung steht – 80% aller von mir betreuten Bewerber, die in Arbeit gegangen sind, hatten einen telefonischen (selten auch persönlichen) Erstkontakt mit ihrem späteren Arbeitgeber.

Die restlichen 20% fanden aufgrund einer schriftlichen Bewerbung (Mail, Formular, klassische Post-Bewerbung) einen neuen Job.

Natürlich ist es keine Garantie, durch ein Telefonat mit dem zuständigen Personaler oder ein Gespräch auf einer Fachmesse einen neuen Job zu finden. Trotzdem zeichnet sich ab, dass dieses Vorgehen bzw. die Kombination mehrerer Bewerbungskanäle deutlich vielversprechender ist als der klassische Weg der Schriftbewerbung.

 

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30% – 70%

Wo finden Sie Stellenanzeigen? Klar, in Zeitungen! Aber wie viele Zeitungen lesen Sie? Und wie viele gibt es überhaupt? Hugo E. Martin hat dankenswerter Weise eine Zahl recherchiert – wir reden von ca. 1500!

Nehmen Sie alle 1500 Zeitungen, weitere knapp 1600 Publikumszeitschriften, die ca. 3800 Fachzeitschriften, dazu noch die auf den mehr als 400 Radiosendern und knapp 400 Fernsehsendern ausgestrahlten Werbespots – und vergessen die weit über 1600 Jobbörsen dabei natürlich nicht.

Und wie viel Prozent der tatsächlich vakanten Arbeitsstellen haben Sie damit erfasst?

Magere 30%…

Ernüchternd, oder?

 

Mag sein. Vielleicht ist es für Sie aber auch Ansporn, sich dem sog. verdeckten Stellenmarkt zuzuwenden, der von gerade einmal 5% der Bewerber bearbeitet wird!

Zusammenfassend:

  • Setzen Sie auf mehrere Bewerbungskanäle!
  • Pflegen Sie Ihr persönliches Netzwerk!
  • Betreiben Sie intensive Marktrecherche!
  • Bewerben Sie sich initiativ, bevor das Unternehmen das Stellenangebot veröffentlicht!
  • Besuchen Sie Messen, Gewerbeschauen und Tage der Offenen Tür!
  • Sorgen Sie für digitale Präsenz – XING, LinkedIn, Twitter, Blog, about.me…

 

Vincent Zeylmans van Emmichoven, Job-Coach aus Emmerich, hat übrigens eine lesenswerte Zusammenfassung zum Thema verdeckter Arbeitsmarkt mit zahlreichen Praxistipps geschrieben, die ich Ihnen wärmstens an Herz lege.

 

Wie immer freue ich mich über Ihre Anregungen, Ideen und Ihr Feedback. In diesem Sinne – auf in ein gutes Job-Jahr 2016!