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Gebildete Menschen sind den ungebildeten genauso überlegen wie die Lebenden den Toten.Aristoteles, griechischer Philosoph (384 – 322 v. Chr.)

Es ist schon eine ziemlich harte Aussage, die der gute Aristoteles da getroffen hat – gleichzeitig scheint er aber gut in die Glaskugel geschaut zu haben, denn Wissen und noch viel mehr das Wissen um die praktische Anwendung des Wissens ist eine Schlüsselkompetenz im Arbeitsleben, damals wie heute. Was neu ist, ist zum einen das Tempo, in dem Wissen aufgenommen, verarbeitet und angewendet werden muss – zum anderen ist es die Halbwertzeit von Wissen. Der Begriff des „lebenlangen Lernens“ ist arg überstrapaziert, deswegen aber nicht weniger richtig und wichtig.

 

Klassische Wissensvermittlung ist auf dem Rückzug

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Woran denken Sie , wenn ich das Wort „Fortbildung“ in den Raum werfe?

Vermutlich an ein mehrtägiges Seminar mit 20-40 Teilnehmenden, eine fachlich (manchmal nicht ganz so) versierte Unterrichtskraft und hand-outs…

Aber diese Form der Wissensvermittlung ist überholt, kostenintensiv und ineffektiv!

Dieses Lernkonstrukt ist überholt, weil viele Seminarteilnehmer sich plötzlich wieder in ihre Schul- bzw. Studienzeit zurückversetzt fühlen – und sie sich genauso benehmen. Ich habe auf Fortbildungen erlebt, dass sich gestandene Führungskräfte in einem Seminarraum Zettelchen zugeworfen, ihre KollegInnen mit nackten Füßen „beglückt“ oder Witze über den Referenten gemacht haben. Einige wenige haben damit den Lernfortschritt für die gesamte Gruppe gebremst, manchmal sogar komplett blockiert…

Dieses Lernkonstrukt ist kostenintensiv, weil neben dem Referentenhonorar häufig auch noch die Miete für einen Tagungsraum sowie die Kosten für Verpflegung und evtl. Übernachtungen anfallen. Geleistet wird in aller Regel eine sechs- bis achtstündige thematische fachliche Vertiefung, bezahlt werden muss aber auch für Schlafens-, Essens- und Pausenzeiten. Als Seminarteilnehmer fand ich es immer gruselig, dass zwischen Mittagessen und Nachmittagsprogramm teilweise drei(!) Stunden lagen…

Dieses Lernkonstrukt ist ineffektiv, weil in aller Regel die Wissensaufnahme auditiv, d.h. übers Hören, erfolgen soll, teilweise auch visuell, besonders (un-)gern über PowerPoint-Präsentationen. Zu guter Letzt bekommen Sie dann noch vielleicht eine schriftliche Zusammenfassung des Seminars – zumeist die gedruckten PowerPoint-Folien…

Fortbildungen bei VHS und Bildungsunternehmen

Eine gute Alternative können Fortbildungen bei Volkshochschulen und Bildungsunternehmen sein, die oftmals sogar über die Agentur für Arbeit oder das JobCenter gefördert werden. Hier gibt es wohnortnah berufsrelevantes Wissen, häufig auch zu finanziell vertretbaren Preisen. Umfang und Qualität des Fortbildungsprogramms sind aber sehr häufig abhängig von der Anzahl und der Qualifikation der Referenten. Zudem gibt es immer das Risiko, dass Kurse mangels Teilnehmern ausfallen. Und damit kommen wir auch schon zum nächsten Punkt…

Java lernen in Jever? Viel Spaß beim Suchen…

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Nicht dass wir uns falsch verstehen – ich bin gerne Nordlicht, mit Haut und Haar!

Ich liebe die frische, leicht salzige Luft. Ich genieße es, ab und an am Deich zu stehen und mir vom Wind den Kopf freipusten zu lassen.

Keine Frage – ich darf mit meiner Familie in einem wunderschönen Fleckchen Erde wohnen.

Manchmal ertappe ich mich jedoch bei dem Gedanken: „Warum wohnst du nur so bildungsfern?“ Die für mich richtig spannenden Fortbildungen gibt es höchstens in der Universitätsstadt Oldenburg, gut 60 km entfernt – oder gleich in Bremen, knapp 110 km entfernt.

Gerade auf dem Land ist die Suche nach einer passenden und berufsrelevaten Fortbildung meistens sehr schnell beendet, es gibt vor Ort schlicht keine – alle, die in der Pampa der Oberpfalz, der Oberlausitz oder des Saarlands wohnen, wissen, wovon ich rede…

 

Eine gute Alternative – MOOCs

„Massive Open Online Course (deutsch offener Massen-Online-Kurs), kurz MOOC, bezeichnet kostenlose Onlinekurse, die meist auf Universitätsniveau sind und große Teilnehmerzahlen aufweisen“ heißt es kurz und knapp in der Wikipedia. MOOCs sind eine großartige Möglichkeit, sich beruflich fort- oder in einem neunen Gebiet weiterzubilden. In aller Regel handelt es sich um Selbstlernangebote, bei denen Sie in Ihrem eigenen Tempo und bei freier Zeiteinteilung lernen können – ideal für Berufstätige. Im deutschsprachigen Bereich gibt es drei Anbieter, die ich sehr ans Herz lege, vor allem, weil Sie bei erfolgreicher Teilnahme ein persönliches Abschlusszertifikat erhalten, dass Sie Ihrer Personalakte oder Ihren Bewerbungsunterlagen beilegen können.

oncampus

Unter Federführung der FH Lübeck hat sich oncampus als die umfangreichste deutschsprachige Lernplattform etabliert. Neben kostenpflichtigen Kursen auf der Hauptseite gibt es mit den mooin-Kursen über zwei Dutzend kostenlose Fortbildungsangebote unterschiedlichster Bereiche, z.B. Netzwerksicherheit, Projektmanagement, Windenergie oder Arbeitspsychologie. Durchgeführt werden die MOOCS von Dozenten namhafter Fachhochschulen, z.B. Fachhochschule Nordwestschweiz, FH Lübeck und FH Bielefeld.

openHPI

Das Hasso-Plattner-Institut, gegründet vom SAP-Gründer und Aufsichtsratschef Hasso Plattner, ist eng verbunden mit der Universität Potsdam. Das Institut bietet aber nicht nur Studiengänge an, sondern offeriert mit seinem openHPI auch kostenlose Fortbildungsmöglichkeiten im IT-Bereich, z.B. „Objektorientierte Programmierung in Java“, „Big Data Analytics“, „Hands on Industrie 4.0“ und „Embedded Smart Home“. Die Kurse sind vom Niveau her durchaus knackig – reine PC-Anwender werden hier zu beißen haben.

iMooX

Aus Österreich kommt ein Angebot der Karl-Franzens-Universität Graz und der Technischen Universität Graz – iMoox genannt. Auch hier sind die Kurse kostenlos und behandeln Themen wie „Lernen in einer digitalen Gesellschaft“, „Kreatives digitales Gestalten mit Kindern“, „Englisch für Chemiestudierende“ und „Mechanik im Alltag“.

Fazit – Lernen im 21. Jahrhundert

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Fort- und Weiterbildung sind im Berufsleben unerlässlich. Mit MOOCs haben Sie eine gute und praktikable Möglichkeit, sich zeit- und kostenoptimiert berufliches Wissen anzueignen und sich dies sprichtwörtlich schriftlich geben zu lassen.

Neben oncampus, openHPI und iMooX gibt es jede Menge weiterer MOOCs. Sowohl der Deutsche Bildungsserver als auch die MOOC-List bieten eine umfangreiche Übersicht.

 

Wie gehen Sie mit dem Thema Fortbildung um? Welche Form bevorzugen Sie? Haben Sie schon einen MOOC absolviert? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Ich freue mich auf Ihr Feedback!